Eine Fülle von Eigenschaften – und wie viele Kommas?

Manchmal reicht eine Eigenschaft allein nicht aus, um das Gewünschte zu beschreiben. Da ist dann beispielsweise von einem „großen blonden Mann“ die Rede oder von einem „kleinen schiefen Gebäude“.

Doch halt! Müsste da nicht vielleicht noch ein Komma gesetzt werden? Müsste es nicht „der große, blonde Mann“ bzw. „das kleine, schiefe Gebäude“ heißen?

Tatsächlich geht beides, allerdings mit einem kleinen Bedeutungsunterschied.

Ist von einem „großen blonden Mann“ die Rede, dann ist der Kontext „blonder Mann“ bereits klar und es muss nur noch die Größe herausgestellt werden. Hier ein Beispieldialog:

A: Schau mal, siehst du den blonden Mann dort vorne? Das ist mein Chef!
B: Welchen blonden Mann? Da sind viele blonde Männer!
A: Stimmt. Ich meinte den großen blonden Mann.

Analog zeichnet sich ein kleines schiefes Gebäude von anderen schiefen Gebäuden durch seine geringe Größe aus.

Will man hingegen ausdrücken, dass der Mann sowohl blond als auch groß bzw. das Gebäude sowohl klein als auch schief ist, muss in beiden Fällen ein Komma zwischen den Eigenschaften stehen: „der große, blonde Mann“ und „das kleine, schiefe Gebäude“.

Man muss sich also immer sehr genau überlegen, was man meint, um zu entscheiden, ob ein Komma gesetzt wird oder nicht.

Richtig kompliziert wird das, wenn ein Substantiv mit ganz vielen Eigenschaften versehen wird. In diesen Fällen stehen die Adjektive meist gleichrangig nebeneinander und müssen daher mit Kommas abgetrennt werden: „der heiße, sonnige, immerzu durstig machende Sommer“.

Ob in solchen Konstruktionen wirklich eine Gleichrangigkeit herrscht, erkennt man am besten, indem man die Reihenfolge der Adjektive ändert. Ergeben sich dann keine Stolperstellen und ändert sich der Sinn des Satzes nicht, dann sind die Kommas auf jeden Fall richtig.

Ein Gedanke zu “Eine Fülle von Eigenschaften – und wie viele Kommas?

  1. Die Sommerpause ist vorüber:
    Nach langer Zeit mal wieder einen dieser kurzen und klaren Hinweise auf die Stolperfallen unserer Sprache – wunderbar.

    Dabei, »Stolperfalle« tönt eher etwas negativ. Natürlich sind sie das auch. Aber eben nur »auch«. Für mich sind sie durchaus das Salz in unserer Sprachsuppe.

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