Hin oder her?

„Ich sitze am Fenster und schaue heraus …“ – so beginnt ein Lied auf einer Weihnachts-CD. Klingt das für Sie auch seltsam? An sich ist die Bedeutung ja klar: Da sitzt einer am Fenster und guckt nach draußen. Und genau da haben wir auch schon den springenden Punkt: Er guckt nach draußen – also in eine Richtung, die von ihm wegweist. Und damit müsste es heißen: „Ich sitze am Fenster und schaue hinaus.“ Stünde ich wiederum im Garten und würde denjenigen beschreiben, der da am Fenster sitzt und in den Garten hinausschaut, so würde ich selbstverständlich sagen: „Er sitzt am Fenster und schaut (zu mir) heraus.“ Ganz richtig drückt sich da der Königssohn im Märchen von Rapunzel aus, als er sagt: „Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter!“ Rapunzel wiederum lässt ihren Zopf zu ihm hinunter. Wenn also etwas vom Sprechenden wegweist, muss er das Präfix „hin“ verwenden – weist die Bewegung zu ihm hin, nutzt er „her“. Wenn jemand an Ihre Tür klopft, sagen Sie doch auch nicht „Hinein!“, oder?

3 Gedanken zu “Hin oder her?

  1. Schöne Bestätigung für mein Empfinden bei »hinaus«, »heraus« und Co. Danke.

    Die Überschrift hat mich allerdings zuerst in eine andere Richtung gelenkt. Man sagt ja auch: »hin und her«, in einem anderen Kontext zwar, aber diese Wendung gibt es.

    Ich bin immer wieder mal im Zweifel, wie man sie schreibt: »hin und her« oder »Hin und Her«. Ich neige zum Ersteren, habe jedoch auch schon die zweite Form gesehen. Und das in vertrauenswürdigen Medien.

    Vielleicht eine Anregung für eine spätere Ausgabe?

  2. Danke für die Rückmeldung.

    Ja, mit „hin und her“ ist es schon ein ganz schönes Hin und Her. Und dann wären wir auch schon beim Thema. Großgeschrieben wird es nur, wenn es substantiviert ist, wenn man also einen Artikel davorsetzen kann, zum Beispiel: „Ich gehe hin und her und denke über das Hin und Her nach.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.